
Heute bin ich hin und her gerissen, ob ich es in einem Tag schaffen möchte, bis nach Lappland nordwärts zu fahren. Es zieht mich in den Winter… und plötzlich war er da. Der Himmel klarte auf, das Thermometer fiel auf – 22Grad. Die Luft trocknete aus und das Licht begann zu faszinieren. Langsam komme ich an.
Und die Lust nach dem letzten Laden um 17:00 in Lulea weiterzufahren, schwand dahin. Kurz darauf fand ich mich im Hotel in der Sauna wieder und erwärmte meine kalten Glieder. An einen Stadtbummel ist bei dieser Temperatur nicht ansatzweise zu denken.
Kalte Reifen führen dazu, dass sich die Luft darin auch erkältet und zusammenzieht. Somit fällt der Druck im Reifen und mein Stromkutsche rapportiert dies artig.
Dummerweise sah ich mich zum Handeln veranlasst, schraubte beim ersten Reifen den Ventildeckel ab, drückte die Drucklanze auf das Ventil und ließ Luft fließen. Es zischte in einem Ton, der nicht zu gefallen vermag und tatsächlich zischte es auch weiter, als ich die Lanze vom Ventil löste. Die Luft entwich aus dem Pneu unaufhaltsam. Das Ventil erschien vereist und nicht mehr korrekt zu schließen. So kann man warten, bis die Felge den Bodenkontakt geniesst.
Zum Glück fand ich bei der Tankstelle aufgeheiztes Scheibenwischerwasser, das in flüssiger Form zur Verfügung stand, leerte es über das Ventil und das Zischen erstarb. Ich nahm dies zum Anlass, an den drei verbliebenen Rädern nichts zu manipulieren.
Wetter: auf -22Grad fallend, klarer Himmel
PS: Soeben habe ich von Tesla eine Einladung per Mail erhalten. Leider nicht, um das Model 3 in Empfang zu nehmen, sondern um an winterlichen Orten in der Schweiz zusammen mit mitarbeitenden von Tesla die hervorragenden Winterfahreigenschaften der Model S und X zu erkunden. Haha das mache ich jeden Tag hier ?. Naja zum Seitenfenster rausgucken um in Fahrtrichtung zu schauen hat bis jetzt noch nicht geklappt, in Ansätzen kommt es aber gut…
Ich muss wie im letzten Jahr schreiben, dass die Stromkutsche sich hervorragend in Eis und Schnee fahren lässt. Klar Physik bleibt Physik, bei 110km/h auf der Eispiste ist das Bremspedal tabu, das Spasspedal muss wie das Lenkrad mit zurückhaltendster Feinmotorik bedient werden.

Lieber Nordlandreisender
was du in kurzer Zeit schon alles erlebt hast…?…und doch verfliegt sie die Zeit und du kommst immer mehr im Winter an…Lass doch besser als beim Pneu bei dir etwas die Luft raus, komm an im Winter, im Nordland – bei dir!
In Gedanken begleite ich dich!
Herzlich Pippi
Liebe Pippi, ich hoffe, du bist im Strumpf. Meine Reise entschleunigt sich immer mehr, bin heute in Lappland angekommen. Dabei ist mir bewusst geworden, wie weit ich in der Zwischenzeit gereist bin. Hier bin ich, hier bleib ich, hier wird es magisch, wie auf der Reise vor einem Jahr. Danke für deine guten Gedanken, Ruhe und frische klare Gedanken sende ich Dir.
Zwar lag Dein Transportgetier auf den Felgen, aber Du scheinst voller Energie und Tatendrang zu sein. Schön zu lesen!
In technischen Belangen ist Frau Lagerlöf zwar nicht ganz à jour, aber auch bei den Luftwesen gibt es bisweilen Reparaturbedarf. Und ich erlaube mir, zu einem etwas längeren Bettmümpfeli auszuholen: „Als sie den Jungen sah, wollte sie fortlaufen. Doch der linke Flügel war ausgerenkt und schleifte auf dem Boden, so daß sie in all ihren Bewegungen behindert war… Manche Tiere haben etwas an sich, daß man sich fragt, was für eine Art Wesen sie sind. Man hat beinahe Angst, daß sie verzauberte Menschen seien. So war es auch bei dieser Graugans… Das kann wohl kein Vogel sein, dachte er. Das ist bestimmt eine verzauberte Prinzessin. Er bekam große Lust, ihr zu helfen, griff mit seinen beiden kleinen Händen unter die Federn und tastete den Flügelknochen ab. Der Knochen war nicht gebrochen, aber mit dem Gelenk war etwas nicht in Ordnung. Er steckte die Finger in die leere Gelenkpfanne. ‚Paß auf“, sagte er, packte den Knochen mit festem Griff und drückte ihn dorthin, wo er sein sollte. Dafür, daß es das erste Mal war, daß er sich an so etwas versuchte, gelang es ihm richtig schnell und gut. Doch es mußte sehr weh getan haben, denn die arme junge Gans stieß einen grellen Schrei aus, und dann sank sie zwischen den Steinen nieder, ohne noch ein Lebenszeichen von sich zu geben. Der Junge erschrak fürchterlich.“ – (Keine Sorge, es geht gut aus und die Reise nach Lappland wird glücklich fortgesetzt.)
Ich hoffe, du nimmst nicht die nächsten Tage vornweg… Das Snowboard wird gesattelt, das Verrenkungsrisiko steigt. Lappland hat mich wieder und ich erliege bereits wieder dem inneliegenden Zauber.