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Tag 11 – Die Stromschnellen

Die Fahrt nach Kautokeino führte durch Stromsteckdosenniemandsland. Nachdem die erste Batterieladung in Reisekilometer und Wageninnenraumerwärmung verwandelt war, ging ich auf die Suche nach einer geeigneten Steckdose. Nach etwas Suchfahrt …… fand ich dann eine rote Steckdose bei einem Busterminal, wo die Truckfahrer und ihre Vehikel übernachten, unscheinbar an einem Pfosten montiert (hinten links am Wagen im Schnee steckend). Der Blauwal konnte am Strom nuckeln und ich in mittlerweilen völliger Dunkelheit ein Mittagessen um 12:00 geniessen. Obwohl ich der einzige Gast im Lokal war, ging die Zubereitung der Suppe vergessen und ich wartete nochmals eine Zusatzrunde. Zeit hatte ich mehr als genug, so cachte ich noch einen Versteckten in unmittelbarere Nähe im Schnee.

Interessanterweise schaltet der Blauwal bereits um 11:45 in den Nachtmodus um. Dies ist der frühen Nacht im Norden auf der einen Seite, aber auch der Zugehörigkeit dieses norwegischen Landteils zur „falschen“ Zeitzone auf der anderen Seite geschuldet. Norwegen erstreckt sich im Norden weit gegen Osten bis zur Grenze mit Russland mit Murmansk als grössere Stadt. Jedoch folgt das Land der gleichen Zeitzone, welche passend für Oslo ist.

Nach 3h war der Ladestand soweit, dass ich dieWeiterfahrt wagen konnte. Bis Kautokeino stellten sich ein paar Hügel, Schnee auf der Fahrbahn, Gegenwind und kalte Temperaturen in den Weg, so dass ich nochmals einen Zwischenladehalt einlegen musste. Die Suche gestaltete sich auch hier äusserst schwierig, da sich der Anschlusskasten in einem Industriegebiet am Boden im Schneeliegend entpuppte. Nach dem ersten Einstecken kam keine Verbindung zustande und ich begann den Plan B ins Auge zu fassen. Der zweite Anlauf führte nach ein paar Minuten zum Erfolg. Da es bereits nach 18:00 war, schmälerten sich die Möglichkeiten der Ladeweile auf Essen und Powernappen im Wagen. Die Nordlichter zeigten sich zum ersten Mal auf dieser Reise und trugen zur Unterhaltung bei.(Aufgenommen mit dem iPhone)

Auch hier war die Ladegeschwindigkeit sehr entschleunigt, immerhin hab ich eine Möglichkeit gefunden und nach 2.5h reichte die Energie aus, um die nun beinahe mitternächtliche Fahrt nach Kautokeino zu wagen. Nur war die grosse Frage, wo in Kautokeino ich laden könnte. In allen Apps war ein grosser weisser Fleck verzeichnet. Mit Hilfe einer Fratzenbuchgruppe fand Ari, ein Kautokeinobewohnender eine Fanilie, welche elektrisch mit einem Leaf unterwegs ist und darum in ihrer Garage einen Lader montiert hat. Diesen durfte ich dann über die Nacht nutzen, der sich aber als richtig langsam entpuppte. Die Standarthaussteckdosen mit 230Volt lassen sich in Norwegen nicht nutzen, da sie ein anderes Anschlussschema haben als im Rest Europas und Dem Blauwal eine Erdung fehlt. Zudem liefert sie sowenig Energie, dass ein Laden neben dem Heizen der Batterie beinahe nicht möglich ist.

Der Herr mit der Typ2-Dose in Kautokeino sprang nach Mitternacht bei meiner Einfahrt behende aus dem Haus und präsentierte seinen Stecker, den ich nutzen durfte.

Wetter: Bedeckt, ?, -12 bis-2 , dann wieder auf -10 Grad fallend

Strecke:

Erkenntnis:

1. Hat es keine Supercharger oder mindestens halbschnelle Lademöglichkeiten unterwegs bereit, reduziert sich die Reisegeschwindigkeit erheblich. Tesla plant in dieser Region angeblich mehrere Supercharger. Dann wird auch hier das Reisen zu einer Spazierfahrt, was den Expeditions- und Herausforderungscharakter etwas schmälert.

2. Ist das Restaurant leer, kommt das Essen nicht schnelleer.

Ein Kommentar

  1. Herr Ärmel Herr Ärmel

    Welch ein Nervenkitzel! Vergesse immer wieder, wie die Etappen und die Route von den Zapfstellen beeinflusst sind. Kleiner Trost: auch die Fortbewegungsmittel der früheren Zeit hatten ihre Tücken.

    „Reisen während des Winters hatten den Vorteil, dass schlechte Wege mit ihren Unebenheiten und Steinen durch Eis und Schnee ausgeglichen wurden; sobald sich frisch gefallener Schnee gesetzt hatte, kam man besser voran. Mit dem Gebrauch von Schlitten – ob von Pferden oder von Rentieren gezogen – verbanden sich in jedem Fall erhebliche Herausforderungen. [Adam Oehlschlaegel ca. 1634:] ‚Weil die meisten der Unserigen das Schlittenfahren und im Schlitten sitzend das Pferd selbst zu regieren, wie wir damals thun mussten, nicht gewohnet, sehe man den ersten Tag einen nach dem andern etliche mahl umbwerffen und sich mit seinem Gerähte aus dem Schnee wieder auffsameln.'“ [Brunner, S. 52]

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