Zum Inhalt springen

Tag 10 – Königliche Krabben

Nachdem gestern die Temperaturen bei minus 32 Grad lagen und der kleine Spaziergang vom Hotel in die Pizzeria beinahe mit Erfrierungen einherging, sind es heute sommerliche minus 5 Grad. Hier kämpfen die Winde des immer noch aussergewöhnlich warmen Atlantiks mit jenen der Barentsee um die Vorherrschaft und heute Nacht soll es während 2 Stunden gar plus 3 Grad werden, bevor die Temperatur wieder auf minus 12 Grad fallen wird.

Ja hier leben die königlichen Krabben.

Doch zuerst den Käse zum z’Morge ausgiebig genossen.Kingcrab-Safari, nachdem die erst vor einer Woche eingeweihte Kingcrabstatue (siehe Bilder von gestern) mir so unendlich Eindruck machte, plante ich heute eine entsprechende Safari.

Es war die absolute chinesische Touristenfalle und doch ganz interessant. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Snowmobil auf dem gefrorenen Fjord, hielten wir bei einem gefrästen Loch an. Das Wasser friert hier schnell, weil in den Fjords viel Süßwasser durch die Flüsse eingetragen wird, das, weil leichter, oben als 30cm dicke Schicht dem Meerwasser aufliegt und so schnell gefriert. Schnell den Drahtkorb hochgezogen, befanden sich darin 3 ca 1m große, ungefähr 8jährige im besten Essalter sich befindende Krabben.

Die Krabben heißen Königskrabben, weil in ihren Adern blaues Blut fliesst, das in der Kälte des Wassers gut als Sauerstofffähre funktioniert. Die Krabben lebten ursprünglich in Kamtschaka, im Osten Russlands, wurden jedoch in den 60er Jahren durch die Russen in der Barentsee um Murmansk ausgesetzt, da eine große Hungersnot herrschte. Die Krabben breiteten sich explosionsartig über die Barentsee in den Atlantik, also weit westlich der norwegischen Küste entlang bis Trondheim, aus.

Gekocht füllten wir die Bãucher mit den frischen Krabbenbeinenfleisch. (Und wer mich kennt, merkt spätestens hier, dass es mir wenig zusagte)Die Gruppe bestand neben mir aus Chinesen, die ununterbrochen alles auf Silizium bannten und mich mit ihrem weiteren Verhalten seltsam nachdenklich werden ließen.Das Touristending war, dass die Krabben bereits einen Tag zuvor von Krabbenfischern auf dem Meer draußen gefangen und in die Touristenkörbe im Fjord verbracht wurden, wo sie von uns heute hochgezogen, geschlachtet, zerteilt und gekocht wurden.

Nun schnell die Rentiere füttern, damit Santa Claus nächstes Jahr nicht zu Fuss kommen muss.

Die Nacht sieht so aus:

Wetter: Bedeckt -20 auf -6 Grad steigend

Strecke: Von Kirkenes ins Icehotel, wenige Kilometer

Erkenntnis:

1. Unglaublich die Horden von Chinesen, die hier einfliegen und wie schnell mich ihre Art herausgefordert hat.

2. Die Nordlichter zeigen sich bis anhin nicht, das Wetter ist garstig wie noch nie während den letzten Reisen in den Norden. Trotzdem schön.

4 Kommentare

  1. Mammi-Däddy Mammi-Däddy

    Hoi Thomas, Mammi meinte: die Krabben das wäre nichts für ihn gewesen!!!!
    Jetzt gehts dann vom ganz h ohen Norden westwärts/südwärts??? Wir hoffen nur noch dass Du die Nordlichter noch erleben bzw. sehen wirst; das wäre ja wieder ein Highlihgt!
    Wir sind wieder gespannt auf Deine nächsten Bilder bzw. Deinen Kommentar zum nächsten Tag.
    Fahr nu guet und heb’dr Sorg!
    Liebi Grüess vo
    Mammi und Däddy

    • villadurchzug villadurchzug

      Danke danke, in der Tat blieb mein Krabbenbein auf dem Teller nur knapp nicht liegen, während es linksbündig rechts neben mir schmatzend um Leben und Tod ging. Bin in Kautokeino eingetroffen und trete alsbald dann langsam den Weg gegen Süden an.

  2. Herr Ärmel Herr Ärmel

    Die Chinesen, wie kommen sie dahin? Früher, ab dem 16. Jahrhundert ging’s in umgekehrter Richtung…

    „Neben der Hoffnung auf eine Nordwestpassage gab es noch eine zweite Frage, die die Engländer in den folgenden Jahrhunderten umtrieb: Gibt es im Norden einen Weg, der nach China führt?“ [Brunner S. 45]

    • villadurchzug villadurchzug

      Vielleicht ist dies das Streben der Natur nach Ausgleich? Wenn es früher offenbar nach China ging, dann geht es nun von China nach Europa zurück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert