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Tag 10: Lofoten … bist du zu schwach

Beim Frühstück hat mir Martin erzählt, dass ich nicht nur der einzige Gast sei, sondern auch ihr erster Gast. Sie hätten das Hotel am 1.1.2023 neu übernommen, nachdem seine Frau den Job verloren hat. Die Saison startet mit dem Eintreffen des Dorsch, der im März zum Laichen aus den nördlichen Meeren südwärts kommt. Henningsvær sei das wichtigste Fischerdorf in Norwegen, meint er. Er hätte mal zu zweit mit 4 Angeln 700kg Dorsch an einem Tag gefangen. Der Gefangene Dorsch wird zum Teil noch immer traditionell auf den Holzgestellen aufgehängt und luftgetrocknet. Die Fische hängen dann vom Fang im März bis zur Midsommerwende und stinken angeblich heftig. Die Einheimischen sagten angeblich, es stinke nicht der Fisch sondern das Geld. Viel des getrockneten Fisches wird nach Afrika und Portugal exportiert. Er hat gesagt, dass in den 1960er während Hungerkrisen in Afrika der Stockfisch dorthin als Hilfe exportiert wurde und eine grosse Liebhaberschaft gefunden hätte. (Wir haben ganz ähnlich unsere Überschussmilch als Milchpulver in Afrika als Nothilfe verpulvert)

Da das Wetter aussergewöhnlich windstill ist, was selten sei, bin ich etwas in die Höhe gekraxelt. Zuvor habe ich Opaeiseisen für unter die Schuhsohle gekauft. Im Januar habe es stark geschneit, danach regnete es heftig und es wurde wieder kalt und schneite erneut darauf. Darum ist alles mit einer Eisschicht unter einer dünnen Schneeschicht überzogen. Entsprechend herausfordernd gestaltete sich das Kraxeln.

Morgendämmerung
Auf den Holzgestellen wird Gefangener Dorsch ab März luftgetrocknet.
Der Hügel ist erkraxelt.
Runter gehst schneller…
Das grosse Eis, schön zu gucken, bei der Begehung kommen die Opaeisen unter den Schuhsohlen arg an ihre Grenzen und der Wanderer dazu.
Der Hafen von Henningsvær..

Wetter:

Windstill, klar bis bewölkt, -2 Grad

2 Kommentare

  1. Herr Ärmel Herr Ärmel

    Zu Deinen heutigen schliferigen Erfahrungen gibt es auch ein Wort: „Mizagluk“. Diese Buchstabenreihe bedeutet in eskimo-aleutischen Sprachen wie Inupiaq oder Kinikmiu „Wasser auf dem Eis, oft mit Schnee bedeckt; eine gefährliche Stelle, wenn man sie betritt.“ Voilà – dank Deiner Eisen bist Du ja heil drüber gekommen.
    In diesen sogenannt polysyntheischen Sprachen werden durch Aneinanderreihung sehr viele Informationen in ein einziges Wort gepackt. Und so heisst dann „Ein Ort mit einer Schneeschicht auf uferfestem Eis, in der Nähe eines Presseisrückens, an dem ein Boot und die Ausrüstung kopfüber gelagert werden können, wobei die Bootsflanken mit Schnee aufgeschüttet werden, um die Ausrüstung unter dem Boot zu schützen. Der Bootsbug wird an einem Stück verankert“ kurz und bündig: „Tutquiksrigvik“.

    • villadurchzug villadurchzug

      Das klingt In meinen Ohren eher nach einer Geheimsprache. Wobei sie vermutlich längst erfroren wären, wenn sie unsere langatmige Erklärung sich gegenseitig im arktischen Sturm in die Ohren brüllen müssten. Danke für deine schneewissenschatliche Begleitung.

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