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Tag 10 – die warme Störung

Heute Morgen erblickte ich graue Schwaden vor dem Balkon meiner Panoramasuite. In diese wurde ich umquartiert, weil in meinem gebuchten Standardzimmer die Klimaanlage alle 30 Minuten laut klapperte.

So entschloss ich mich, ein gemütlicher Lesemorgen zu geniessen.

Ein prächtig bebildertes Buch, das die erste touristische Expeditionsreise im Jahre 1896 von Hamburg nach Spitzbergen sorgfältig recherchiert nachzeichnet. Die Reise legte den Grundstein des arktischen Tourismus, wie er heute in der Sparte der Kreuzfahrtschiffe-Expeditionsfahrten auflebt. Eigene Erlebnisse der Antarktis- und Kamtschakareise über den Aleutenbogen widerspiegeln sich bereits in der Erzählung der ersten Nordlandfahrt. Ein grosser Dank gebührt meinem Privatbibliothekar, der mein Lesegen zuverlässig mit Trouvaillen vor dem Verkümmern rettet.

Doch plötzlich klärte der Himmel auf, die Wolkenradarspezialapp prophezeite blauer Himmel in etwa eine halben Stunde, ich schlüpfte in meine 6 Schichten, packte das Snowboard und sauste die Hänge hinunter.Keine Wolken traf ein, allerdings bildete sich rasch Nebel nach dem Motto, oben blau, unten grau – ein Meteorologisches Hossa ins schweizerische Mittelland. Da die Berge hier eher Hügeln (Tunturities) gleichen, war auch das oben bald unten und der ganze Hügel im Grau. Dafür war es beinahe angenehm warm mit nur noch -11 Grad auf dem Hügel, allerdings bissigem Wind und Nebelfeuchte, die sofort zu Raureifbärten an der gesamten Kleidung heranwuchs.

Zum Aufwärmen stehen neben der Piste solche Holzhütten, in welchen ein offenes Feuer die Frierenden wärmt.

Gegen Abend fuhr ich mit der Hotelgondelbahn vom Panoramahotel hinunter in das Dorf Levi, ein grosszügiges SPA mit verschiedenen finnischen Saunen. Das Dorf erinnert an unsere Retortentouristendörfer in den Alpen in der Vorsaison.

Die Sauna hat Tradition, Jung und Alt hocken tratschend im schweisstreibenden Heiss, fleissig aufgiessend und miteinander quatschend. Mich erinnert die Stimmung in all den bis anhin besuchten Saunen wie im verlängerten Wohnzimmer.

Morgen plane ich, weiter nordwärts zu reisen. Glücklicherweise hatte ich die Idee, mal nach der Stromkutsche zu sehen. Artig öffnete sie die Türen beim Nähern, der Kältevampir schien ihr nicht allzuviel Strom aus den Batterien gesaugt zu haben. Aber ohalätz, meine Essenskiste entpuppte sich als Tiefkühlschrank. Alles darin ist tiefgefroren. So stelle ich mir das Reisemitbringsel Tagesende für morgen zusammen und lasse es im Hotelzimmer über Nacht auftauen.

Alles hart tiefgefroren ?

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Uebrigens hab ich langsam das Gefühl, 1 halbes Rentier, ein Acker voller Kartoffeln, eine scheue Zwiebel und ein Wald voller Beeren in meinen Ferien bis jetzt verspiesen zu haben.

Wetter: – 10 bis -15 Grad, Nebel

4 Kommentare

  1. Baumann's Baumann's

    Hoi Thomas,
    das Tiefgfrorene hat aber schon speziell geklungen beim Gegeinanderschlagen!!!!
    Wir sagen trotzdem guten Appetit – wenn es mal aufgetaut ist – .
    wir haben jetzt so Temperaturen um 0 Grad- – 1 Grad, auch eherf winterlich.
    Weiterhin gute Fahrt in den hohen Norden und mach’s guet.
    Liebi Grüess vo daheimä,
    Mammi und Däddy

    • villadurchzug villadurchzug

      Aufgetaut sind die Äpfel beinahe nicht mehr geniessbar, braun und mehlig. Wohl bekomme, soll gut sein gegen kalte Finger ?

  2. Herr Ärmel Herr Ärmel

    Hmmm, Mandarinenglacé!
    Nicht nur Du wurdest im Norden benebelt: „Als die Vögel die ersten weißen Wirbel sahen, wurden sie ängstlich und erhöhten die Geschwindigkeit. Doch das, was wie Rauch war, ballte sich immer dichter, und am Ende waren sie davon eingehüllt. Es roch nach nichts, und der Rauch war nicht dunkel und trocken, sondern weiß und feucht. Plötzlich verstand der Junge, daß das nichts anderes als Nebel war.
    Als der Nebel so dicht wurde, daß man nicht einmal mehr eine Gänselänge weit sehen konnte, begannen die Vögel, sich wie Verrückte zu gebärden. Alle, die zuvor in so guter Ordnung geflogen waren, begannen im Nebel miteinander ein Spiel zu treiben. Sie flogen kreuz und quer, um sich gegenseitig in die Irre zu leiten. Alle wußten sehr gut, wo die Insel war, aber sie taten ihr Bestes, um sich gegenseitig durcheinanderzubringen. ‚Seht dort, die Eisenten‘, rief es im Nebel, ’sie fliegen zurück zur Nordsee.‘ – ‚Paßt auf, Graugänse!‘ schrie jemand aus einer anderen Richtung. ‚Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr auf Rügen ankommen.'“

    • villadurchzug villadurchzug

      Also lecker geht anders. Äpfel und Mandarinen gefrieren und auftauen wird sich wohl in keiner Küche durchsetzen. Damit ich nicht in den nächsten Tagen bereits auf Rügen ankommen werde, bin ich heute gegen aNorden weitergezogen. der Abstand weiter vergrössernd. Bald wird die Kraft des Bandes, die mich zurückzieht wohl spürbar.

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